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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bonner Forschergruppe erhält Millionenförderung im Kampf gegen häufige Todesursache

Die Corona-Stiftung fördert die Forschung von Priv.-Doz. Dr. med. Jansen über die nächsten fünf Jahre

Kardiovaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose, umgangssprachlich als Gefäßverkalkungen bekannt, sind eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Dr. Jansen und seine Forschergruppe der Universität Bonn arbeiten an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. Die Corona-Stiftung unterstützt dies nun mit etwa einer Million Euro.

Dr. Jansen und sein Team haben extrazelluläre Vesikel, kleine Bläschen, die bei der Beschädigung von Zellen an der Innenseite von Blutgefäßen freigesetzt werden können, als potentiellen Biomarker für Gefäßerkrankungen identifiziert. Biomarker sind Substanzen oder Veränderungen im Körper, die messbar sind und so Rückschlüsse auf die Gesundheit erlauben. Mit Hilfe der Förderung der Corona-Stiftung möchten die Bonner Forscher nun herausfinden, ob extrazelluläre Vesikel auch zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen wie Arteriosklerose eingesetzt werden können. Dafür gibt es von der Corona-Stiftung über die nächsten fünf Jahre etwa eine Million Euro.
Das Besondere an diesem Projekt ist der translationale Ansatz mit dem Dr. Jansen und sein Team vorgehen werden: Neben experimentellen Laborarbeiten sollen parallel auch klinische und therapeutische Studien durchgeführt werden.

Einer der Schlüsselfaktoren bei der Entwicklung von Arteriosklerose ist die Beschädigung von Zellen an der Innenseite der Blutgefäße. In der Vergangenheit konnte mehrfach gezeigt werden, dass diese Beschädigung zur Freisetzung von extrazellulären Vesikeln führt. Der Inhalt in diesen Vesikel wiederum variiert je nach Schaden an den Zellen.
Das Team von Dr. Jansen hat herausgefunden, dass einige dieser Inhaltsstoffe nicht nur zellulären Schaden anzeigen, sondern auch das Krankheitsbild beeinflussen können. Vor allem spezifische Nukleinsäuremoleküle („ncRNAs“) scheinen großen Einfluss auf die Heilung der Gefäße zu haben. In klinischen Studien wiesen die Bonner Forscher ebenfalls nach, dass bei vielen Patienten, die unter Krankheiten wie Arteriosklerose oder Diabetes leiden, die Zusammensetzung der ncRNAs in den Vesikeln verändert und dadurch das Heilungspotential der Gefäßzellen beeinträchtigt ist.

Mit den zusätzlichen Mitteln aus der Förderung sollen mehrere Aspekte untersucht werden. Zum einen wollen Dr. Jansen und sein Team klären, welche spezifischen ncRNAs in der Progression von Gefäßerkrankungen involviert sind. Zum anderen möchten sie herausfinden, ob sich die extrazellulären Vesikel und deren Inhalt als Biomarker für die Diagnostik von Blutgefäßerkrankungen eignen. Dabei ist das Besondere, dass die Forschenden die im Blut vorhandenen Vesikel durch eine einzige Blutentnahme bei Patienten isolieren und untersuchen können. Durch die Analyse des Inhaltes der Vesikel ist es möglich, Informationen über die Gefäßgesundheit der Patienten zu erhalten („Liquid Biopsy“), ohne dass ein invasiver oder chirurgischer Eingriff notwendig ist. Im finalen Schritt soll getestet werden, ob die Vesikel zunächst modifiziert und anschließend in der Behandlung von Arteriosklerose eingesetzt werden können.

Priv.-Doz. Dr. Jansen ist seit 2010 am Herzzentrum Bonn als Teil der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn tätig. Mit seiner Forschung ist er in der Molekularen Kardiologie mit Fokus auf vaskuläre interzelluläre Kommunikation angesiedelt. Seit 2014 leitet er dort seine eigene Forschungsgruppe und konnte bereits Drittmittel in bedeutendem Umfang für die Universitätsmedizin Bonn einwerben. Für seine Forschungsleistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2016 durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie.

Kontakt für die Medien:
Priv.-Doz. Dr. med.
Felix Jansen
Oberarzt
Medizinische Klinik II für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Tel: 0228 – 287 16670
E-Mail: felix.jansen@ukbonn.de

Bilder:
Der Abdruck im Zusammenhang mit der Nachricht ist kostenlos, dabei ist der angegebene Bildautor zu nennen.

Der Querschnitt zeigt, dass sich extrazelluläre Vesikel nicht nur an der Gefäßinnenseite anlagern. Die Pfeile weisen auf Vesikel in den tieferen Schichten hin.
https://cams.ukb.uni-bonn.de/presse/pm-191-2019/images/Vesikel_quer.jpg
Felix Jansen/Daniela Wenzel/UKB

Ein krankhaftes Blutgefäß unter ca. 100-facher Vergrößerung: Auf der gesamten Länge der Probe lassen sich die in rot eingefärbten extrazellulären Vesikel nachweisen.
https://cams.ukb.uni-bonn.de/presse/pm-191-2019/images/Vesikel_laengs.jpg
Felix Jansen/Daniela Wenzel/UKB